Immer wieder heiß diskutiert wird die Frage, ob frau sich ausschließlich als Frau bezeichnen soll oder ob auch die Bezeichnung Mädchen legitim ist. Überlegungen, die dazu angestellt werden, schwanken zwischen der positiven Neubewertung der Bezeichnung Mädchen und dem sexistischen Klein-Machen von Frauen. Neu entbrannt ist diese Diskussion durch einen Vortrag von Caroline Drucker, der auf jetzt.de von peter-wagner diskutiert wird und in dem Drucker die Meinung vertritt, dass mehr Frauen in der Technik wären wenn sie nicht durch Dritte und/oder sich selbst als Mädchen bezeichnet werden würden; Drucker: “If you want to be respected in tech as a woman, don’t call yourself a girl.” Frauen, so Drucker weiter, sind jene, die menstruieren und Steuern zahlen. By the way eine sehr essentialistische Sichtweise, die Frauen auf den Körper reduziert und bei mir die Frage aufwirft, wie das mit Menschen ist, die sich als Frau bezeichnen und sehen aber nicht menstruieren…
Die Bezeichnung Mädchen dient aber auch der emanzipatorischen Selbstbezeichnung. Um mit Judith Butlers Worten zu sprechen, sind Resignifizierungen, d.h. die Neubesetzung von Worten mit positiven Konnotierungen wie zum Beispiel die Selbst-Bezeichnung als Mädchen, ein wichtiges feministisches und queeres Werkzeug. Beispiele dafür sind die Riot Grrrl Bewegung und die daraus entstandenen GrrrlZines oder auch die Mädchenmannschaft, ein feministischer Blog aus Deutschland. Diese Formen der Resignifizierung werden weder im Vortrag von Caroline Drucker, noch in dem Artikel von peter-wagner erwähnt. Beide reduzieren die Diskussion auf den Begriff Mädchen als Bezeichnung für weibliche Kinder, der dazu genutzt wird, um erwachsenen Frauen Kompetenzen abzuschreiben, sie zu marginalisieren und zu unterdrücken. Damit schreiben sie diesem Begriff eine unveränderliche Identität ein, die nicht in einem dynamischen Prozess neu ausverhandelt werden kann. Wie Nadine von der Mädchenmannschaft richtig schreibt, wird der Sexismus, der hinter der Bezeichnung Mädchen für erwachsene Frauen steckt, mit keinem Wort erwähnt. In der Logik dieser Beiträge scheint es zudem sehr einfach zu sein die Bezeichnung Mädchen hinter sich zu lassen, um dann automatisch mehr ernst genommen zu werden.
Einen wesentlichen Punkt bedenken aber weder Nadine noch peter-wagner: Caroline Drucker spricht in dem Vortrag explizit davon, dass die Bezeichnung Mädchen am Arbeitsplatz nichts verloren hat und spricht von jenen Momenten, in denen frau mit der Einleitung “Ich bin ja keine Expertin, aber” beginnt, also sich selbst eine marginalisierte Position zuschreibt. Drucker vergisst dabei jedoch, dass Sexismus und Marginalisierung nicht nach Verlassen des Arbeitsplatzes plötzlich vorbei sind.
Die Frage ist ja auch, warum Frauen immer mit solchen Handlungsanweisungen verfolgt werden. “Zieh’ dir dieses und jenes an, dann wirst du ernst genommen” oder “Achte bei deiner Körpersprache auf folgendes, dann wirst du ernst genommen” und jetzt “Bezeichne dich nicht als Mädchen, dann wirst du ernst genommen”. Warum müssen Frauen sich eigentlich immer anpassen und aufpassen was sie sagen, tragen und tun? Und warum kann ich als Frau das nicht selbst entscheiden, sondern bekomme es von anderen gesagt?
Ich glaube bei der Frage der Bezeichnung als Mädchen oder Frau kann es weder ein richtig noch ein falsch geben. Ich persönlich möchte wenn es um meine fachliche Kompetenz geht nicht als “kluges Mädchen” bezeichnet werden, aber trotzdem in GrrrlZines blättern und mir über Grrrl Bewegungen Gedanken machen. Ich denke auch nicht, dass die Abkehr von der Bezeichnung Mädchen für erwachsene Frauen einen Wandel in der Gesellschaft auslösen kann. Dazu müssten noch mehr Schritte gesetzt werden, unter anderem in dem Frauen in Musik, Film, Fernsehen und Werbung nicht mehr als kindlich-naive Objekte gezeigt werden.
Die Frage ist ja auch, warum Frauen immer mit solchen Handlungsanweisungen verfolgt werden. (…) und jetzt „Bezeichne dich nicht als Mädchen, dann wirst du ernst genommen“.
Vielleicht, weil es einfach stimmt?
Und warum kann ich als Frau das nicht selbst entscheiden, sondern bekomme es von anderen gesagt?
Weil ernst genommen zu werden nicht deine Entscheidung ist, sondern die von Anderen, jenen nämlich, von denen man ernst genommen werden möchte. Du kannst zwar selbst entscheiden, im Schlafanzug in die Bank zu gehen, du kannst aber nicht entscheiden, ob du im Schlafanzug den gewünschten Kredit bekommst.
Außerdem sagt Drucker einen sehr wichtigen Satz: “Frauen, die mit dem Begriff Frau ein Problem haben, sollten sich fragen, warum das so ist.” (sinngem.)
Ich denke auch nicht, dass die Abkehr von der Bezeichnung Mädchen für erwachsene Frauen einen Wandel in der Gesellschaft auslösen kann.
Seltsamerweise glauben Fenimistinnen aber durchaus, dass z.B. die Bezeichnung “Studierende” einen Wandel in der Gesellschaft auslösen kann. Wie kommts, dass dieser Wandelglaube auf “Mädchen” vs. “Frau” nicht zutrifft? Das ist doch nicht ganz logisch. Auf der einen Seite wird immer wieder die “Wirkmächtigkeit” von Sprache “gedacht”, und hier soll die Sprache plötzlich völlig belanglos sein?
Ich denke nicht, dass es immer nur die Entscheidung von Anderen ist, ob ich ernst genommen werde oder nicht. Du hast schon recht, mit einem Schlafanzug zur Bank zu gehen wird nicht sonderlich dienlich sein aber es geht ja auch nicht um solche Bekleidungsstücke. Denke doch mal an die Slutwalks und welche Botschaft hier vermittelt wird, nämlich dass Frauen tragen können sollen, was sie wollen und nicht z.B. wegen eines Minirocks zum sexualisierten Objekt gemacht werden; eine Kritik, die sich auf den “Rat” bezieht doch keine Miniröcke zu tragen – um beim gleichen Beispiel zu bleiben – weil wenn es dann zu sexueller Belästigung oder Vergewaltigung kommt dann doch die Frau Schuld habe.
Vollkommen recht gebe ich dir, was den Widerspruch mit der Wirkmächtigkeit von Sprache anbelangt. Da habe ich schlecht argumentiert: Meine Kritik ziehlt vor allem darauf ab, dass Drucker in dem Vortrag die Abkehr von dem Begriff Mädchen für erwachsene Frauen als die Lösung schlechthin darstellt und nur in einem Nebensatz darauf hinweist, dass dies eine Maßnahme unter vielen ist.
Ich denke nicht, dass es immer nur die Entscheidung von Anderen ist, ob ich ernst genommen werde oder nicht.
Zunächst mal ist das natürlich keine bewusste Entscheidung “die nehme ich jetzt ernst”. Es ist eine Reaktion auf dich (oder wen auch immer). Du sendest eine Botschaft, der Andere empfängt und bewertet sie unbewusst. Im Ergebnis nimmt er dich ernst oder auch nicht. Du kannst für dich entscheiden, inwieweit du die “Sprache” des Empfängers sprechen willst und was du in dieser Sprache sagst. Wenn der Empfänger “Mädchen” als harmlos und inkompetent liest, und du dich Mädchen nennst, hast du dein Ziel verfehlt. Und ja, das war dann deine Entscheidung.
Denke doch mal an die Slutwalks und welche Botschaft hier vermittelt wird
Da habe ich meine Zweifel, ob diese Botschaft angekommen ist.
Aber das ist eine andere Baustelle.
Meine Kritik ziehlt vor allem darauf ab, dass Drucker in dem Vortrag die Abkehr von dem Begriff Mädchen für erwachsene Frauen als die Lösung schlechthin darstellt und nur in einem Nebensatz darauf hinweist, dass dies eine Maßnahme unter vielen ist.
Ich denke, mit dieser Kritik an dem Vortrag wird man Drucker nicht gerecht. Sie hat ja gar nicht den Anspruch erhoben, über ein Allheilmittel zu verfügen, sondern musst notwendiger Weise in den 5 Minuten plakativ und auch verkürzt argumentieren. Daher auch die Formulierung “Frauen sind die, die menstruieren und Steuern zahen”. In 5 Minuten ist es kaum möglich, jede Facette zu differnezieren. Und es ist auch nicht nötig, denn darum gings nicht.
Vielleicht, weil es einfach stimmt?
Weil ernst genommen zu werden nicht deine Entscheidung ist, sondern die von Anderen, jenen nämlich, von denen man ernst genommen werden möchte. Du kannst zwar selbst entscheiden, im Schlafanzug in die Bank zu gehen, du kannst aber nicht entscheiden, ob du im Schlafanzug den gewünschten Kredit bekommst.
Außerdem sagt Drucker einen sehr wichtigen Satz: “Frauen, die mit dem Begriff Frau ein Problem haben, sollten sich fragen, warum das so ist.” (sinngem.)
Seltsamerweise glauben Fenimistinnen aber durchaus, dass z.B. die Bezeichnung “Studierende” einen Wandel in der Gesellschaft auslösen kann. Wie kommts, dass dieser Wandelglaube auf “Mädchen” vs. “Frau” nicht zutrifft? Das ist doch nicht ganz logisch. Auf der einen Seite wird immer wieder die “Wirkmächtigkeit” von Sprache “gedacht”, und hier soll die Sprache plötzlich völlig belanglos sein?
Ich denke nicht, dass es immer nur die Entscheidung von Anderen ist, ob ich ernst genommen werde oder nicht. Du hast schon recht, mit einem Schlafanzug zur Bank zu gehen wird nicht sonderlich dienlich sein aber es geht ja auch nicht um solche Bekleidungsstücke. Denke doch mal an die Slutwalks und welche Botschaft hier vermittelt wird, nämlich dass Frauen tragen können sollen, was sie wollen und nicht z.B. wegen eines Minirocks zum sexualisierten Objekt gemacht werden; eine Kritik, die sich auf den “Rat” bezieht doch keine Miniröcke zu tragen – um beim gleichen Beispiel zu bleiben – weil wenn es dann zu sexueller Belästigung oder Vergewaltigung kommt dann doch die Frau Schuld habe.
Vollkommen recht gebe ich dir, was den Widerspruch mit der Wirkmächtigkeit von Sprache anbelangt. Da habe ich schlecht argumentiert: Meine Kritik ziehlt vor allem darauf ab, dass Drucker in dem Vortrag die Abkehr von dem Begriff Mädchen für erwachsene Frauen als die Lösung schlechthin darstellt und nur in einem Nebensatz darauf hinweist, dass dies eine Maßnahme unter vielen ist.
Zunächst mal ist das natürlich keine bewusste Entscheidung “die nehme ich jetzt ernst”. Es ist eine Reaktion auf dich (oder wen auch immer). Du sendest eine Botschaft, der Andere empfängt und bewertet sie unbewusst. Im Ergebnis nimmt er dich ernst oder auch nicht. Du kannst für dich entscheiden, inwieweit du die “Sprache” des Empfängers sprechen willst und was du in dieser Sprache sagst. Wenn der Empfänger “Mädchen” als harmlos und inkompetent liest, und du dich Mädchen nennst, hast du dein Ziel verfehlt. Und ja, das war dann deine Entscheidung.
Da habe ich meine Zweifel, ob diese Botschaft angekommen ist.
Aber das ist eine andere Baustelle.
Ich denke, mit dieser Kritik an dem Vortrag wird man Drucker nicht gerecht. Sie hat ja gar nicht den Anspruch erhoben, über ein Allheilmittel zu verfügen, sondern musst notwendiger Weise in den 5 Minuten plakativ und auch verkürzt argumentieren. Daher auch die Formulierung “Frauen sind die, die menstruieren und Steuern zahen”. In 5 Minuten ist es kaum möglich, jede Facette zu differnezieren. Und es ist auch nicht nötig, denn darum gings nicht.
Der Schlafanzug war überigens eine Metapher.
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